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Mounjaro vs. Wegovy: Was die direkte Vergleichsstudie wirklich zeigt

Mit SURMOUNT-5 liegt eine große randomisierte direkte Vergleichsstudie zwischen Tirzepatid und Semaglutid zur Behandlung von Adipositas vor. Das Ergebnis war deutlich: Unter Tirzepatid verloren die Teilnehmer im Durchschnitt mehr Gewicht als unter Semaglutid.

Von Redaktion gewichtsmedizin.infoVeröffentlicht 24. August 2026Aktualisiert 24. August 20268 Min. Lesezeit

Mit SURMOUNT-5 liegt eine große randomisierte direkte Vergleichsstudie zwischen Tirzepatid und Semaglutid zur Behandlung von Adipositas vor. Das Ergebnis war deutlich: Unter Tirzepatid verloren die Teilnehmer im Durchschnitt mehr Gewicht als unter Semaglutid.

Die Zahlen sind relevant. Sie bedeuten aber nicht automatisch, dass Mounjaro für jeden Menschen die bessere Therapie ist. Entscheidend ist, was tatsächlich untersucht wurde und was nicht.

Das Ergebnis in 30 Sekunden

In SURMOUNT-5 wurden 751 Erwachsene mit Adipositas beziehungsweise Übergewicht und mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung, aber ohne Typ-2-Diabetes, randomisiert mit Tirzepatid oder Semaglutid behandelt.

Nach 72 Wochen betrug die durchschnittliche Gewichtsveränderung: **Tirzepatid: −20,2 %** und **Semaglutid: −13,7 %**.

Auch der Taillenumfang nahm unter Tirzepatid stärker ab: durchschnittlich −18,4 cm gegenüber −13,0 cm unter Semaglutid.

Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant.

Die wichtigsten Zahlen

Die Ergebnisse sind Mittelwerte aus der Studienpopulation und keine Prognose für einzelne Personen.
SURMOUNT-5TirzepatidSemaglutid
Studiendauer72 Wochen72 Wochen
Gewichtsveränderung−20,2 %−13,7 %
Veränderung Taillenumfang−18,4 cm−13,0 cm
Anwendung1× wöchentlich1× wöchentlich

Wie war die Studie aufgebaut?

SURMOUNT-5 war eine randomisierte Phase-3b-Studie. Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 1:1 einer Behandlung mit Tirzepatid oder Semaglutid zugeteilt.

Verwendet wurde jeweils die maximal tolerierte Dosis innerhalb des vorgesehenen Dosisbereichs: Tirzepatid mit 10 oder 15 mg pro Woche und Semaglutid mit 1,7 oder 2,4 mg pro Woche.

Die Studie war open-label. Teilnehmer und Studienpersonal wussten also, welches Medikament eingesetzt wurde. Das ist bei der Interpretation relevant, auch wenn der primäre Endpunkt, die Veränderung des Körpergewichts, objektiv messbar ist.

Was bedeuten 20,2 % gegenüber 13,7 %?

Die Prozentangaben beziehen sich auf die durchschnittliche Veränderung gegenüber dem Ausgangsgewicht.

Rein rechnerisch würde ein Ausgangsgewicht von 100 kg bei einer durchschnittlichen Reduktion von 20,2 % etwa 20,2 kg Gewichtsverlust bedeuten. Bei 13,7 % wären es etwa 13,7 kg.

Das sollte allerdings nicht als individuelle Erwartung verstanden werden.

Studienmittelwerte umfassen Menschen mit sehr unterschiedlichen Reaktionen. Manche verlieren wesentlich mehr Gewicht, andere deutlich weniger. Verträglichkeit, erreichbare Dosis, Therapiedauer, Begleiterkrankungen und individuelle biologische Unterschiede können das Ergebnis beeinflussen.

Warum könnte Tirzepatid stärker wirken?

Semaglutid wirkt als Agonist am GLP-1-Rezeptor.

Tirzepatid aktiviert zusätzlich zum GLP-1-Rezeptor auch den GIP-Rezeptor. Damit unterscheiden sich die Wirkstoffe pharmakologisch.

Dass Tirzepatid in SURMOUNT-5 zu einer stärkeren durchschnittlichen Gewichtsreduktion führte, zeigt einen klinisch relevanten Unterschied zwischen den Therapien.

Die Studie allein beantwortet jedoch nicht vollständig, welcher Anteil dieses Unterschieds auf die zusätzliche GIP-Wirkung oder andere pharmakologische Eigenschaften zurückzuführen ist.

Wie sah es bei den Nebenwirkungen aus?

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren in beiden Gruppen gastrointestinal.

Dazu gehören insbesondere Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen oder Verstopfung. Die gastrointestinalen Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis moderat und traten häufig während der Dosissteigerung auf.

Für die individuelle Therapieentscheidung ist deshalb nicht nur die maximal mögliche durchschnittliche Gewichtsreduktion relevant.

Ein Medikament, das im Durchschnitt stärker wirkt, aber individuell schlecht vertragen wird, kann für eine bestimmte Person trotzdem die schlechtere Option sein.

Bedeutet die Studie, dass Mounjaro besser als Wegovy ist?

Für den untersuchten primären Endpunkt lautet die Aussage klar: **Tirzepatid führte in SURMOUNT-5 zu einer stärkeren durchschnittlichen Gewichtsreduktion als Semaglutid.**

Das ist allerdings eine präzisere Aussage als pauschal zu behaupten, Mounjaro sei grundsätzlich „besser“ als Wegovy.

Eine Therapieentscheidung umfasst zusätzlich Faktoren wie: Verträglichkeit, Kontraindikationen, Begleiterkrankungen, bisherige Therapieerfahrung, individuelle Reaktion, Verfügbarkeit und ärztliche Beurteilung.

SURMOUNT-5 liefert deshalb einen wichtigen direkten Vergleich, ersetzt aber keine individuelle Therapieentscheidung.

Was die Studie nicht beantwortet

1. Keine Menschen mit Typ-2-Diabetes

Die Studie untersuchte die beiden Therapien zur Gewichtsreduktion bei Erwachsenen ohne Typ-2-Diabetes.

Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht automatisch auf jede andere Patientengruppe übertragen.

2. 72 Wochen sind nicht lebenslang

Adipositas ist eine chronische Erkrankung.

SURMOUNT-5 zeigt Unterschiede über 72 Wochen, beantwortet aber nicht alle Fragen zur Behandlung über viele Jahre oder zur Gewichtsentwicklung nach einem späteren Absetzen.

3. Open-Label-Design

Die Behandlung war nicht verblindet. Teilnehmer und Studienpersonal kannten die jeweilige Therapie.

4. Industriefinanzierung

SURMOUNT-5 wurde von Eli Lilly, dem Hersteller von Tirzepatid, finanziert.

Das macht die Ergebnisse nicht automatisch weniger valide, gehört bei einer transparenten Einordnung aber klar genannt.

Warum SURMOUNT-5 besonders relevant ist

Viele Vergleiche verschiedener Medikamente zur Gewichtsreduktion basieren auf getrennten Studien.

Das ist problematisch, weil unterschiedliche Teilnehmergruppen, Studiendesigns und Rahmenbedingungen die Ergebnisse beeinflussen können.

SURMOUNT-5 ist deshalb besonders relevant, weil Tirzepatid und Semaglutid innerhalb derselben randomisierten Studie direkt miteinander verglichen wurden.

Damit liefert die Studie stärkere Vergleichsinformationen als ein bloßes Gegenüberstellen der Ergebnisse verschiedener Studien.

Einordnung von gewichtsmedizin.info

SURMOUNT-5 liefert starke Evidenz dafür, dass Tirzepatid unter den untersuchten Bedingungen im Durchschnitt eine höhere Gewichtsreduktion erreichen kann als Semaglutid.

Der für Patienten entscheidende Schluss ist jedoch nicht, dass jeder auf das vermeintlich stärkste Medikament wechseln sollte.

Interessanter ist eine größere Entwicklung: Moderne medikamentöse Adipositastherapien erreichen inzwischen Größenordnungen beim Gewichtsverlust, bei denen Fragen wie Muskelerhalt, ausreichende Proteinversorgung, Nährstoffversorgung, Bewegung und langfristige Gewichtsstabilisierung zunehmend wichtiger werden.

Die Diskussion verschiebt sich damit von der Frage: **„Funktioniert das Medikament?“** zunehmend zu: **„Wie gestaltet man eine wirksame Therapie langfristig möglichst sinnvoll?“**

Fazit

SURMOUNT-5 zeigte nach 72 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von **20,2 % unter Tirzepatid gegenüber 13,7 % unter Semaglutid**.

Damit schnitt Tirzepatid beim primären Endpunkt deutlich besser ab.

Die Studie ist ein wichtiger direkter Vergleich zweier zentraler moderner Adipositastherapien. Sie zeigt aber nicht, dass Tirzepatid für jeden Patienten automatisch die individuell bessere Therapie ist.

Die Auswahl und Begleitung einer medikamentösen Adipositastherapie sollte individuell und ärztlich erfolgen.

Quellen

  1. Tirzepatide as Compared with Semaglutide for the Treatment of ObesityAronne LJ et al. · New England Journal of Medicine 2025;393:26–36 · 03.07.2025 · Klinische Studie · DOI: 10.1056/NEJMoa2416394

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